Tobias Klär

Was machst Du beruflich?
Ich bin Rechtsanwalt.

Warum trainierst Du Wing Chun?
Beruflich werde ich nur geistig, nicht aber körperlich gefordert. Nach einem stressigen Arbeitstag ist Wing Chun daher genau das Richtige, um „runterzukommen“ und einen Ausgleich zu finden. Das Training macht mir seit zehn Jahren verdammt viel Spaß.

Was ist für Dich das Besondere an Wing Chun?
Das Besondere an Wing Chun ist, dass man keine besonderen körperlichen Voraussetzungen oder ein besonders hohes Maß an Fitness mitbringen muss um es zu erlernen. Anfangen kann grundsätzlich jeder und jeder kann von Anfang an mittrainieren. Gleichzeitig steigert sich die körperliche Fitness beim Training automatisch. Wirklich jeder kann Wing Chun lernen, er muss nur seinen körperlichen Voraussetzungen (Alter, Gewicht, Fitness etc.) entsprechend mit dem Training beginnen.

Warum unterrichtest Du?
Zum Unterrichten kam ich, als ich gefragt wurde, ob ich mal „einspringen“ kann um eine Trainingseinheit zu halten und in der Folgezeit dann irgendwann aus diesem gelegentlichen „Einspringen“ ein regelmäßiges Unterrichten wurde. Dabei habe ich festgestellt, dass man durch die Fragen, die einem während des Trainings gestellt werden, dazu angehalten wird, sich auch mit Aspekten des Wing Chun auseinanderzusetzen, die man selbst gar nicht so im Blick hatte. Das Verständnis der Kampfkunst Wing Chun entwickelt sich durch das Unterrichten, bei dem man ständig Techniken nachvollziehbar erklären muss, sogar schneller weiter als wenn man nur passiv am Training teilnimmt. Ich glaube eine Gruppe, die ich besonders gerne unterrichte, gibt es als solche nicht. Wichtig ist für mich nur, dass die Trainingsteilnehmer da sind um Freude am Training zu haben.

Möchtest Du Deinen Schülern etwas mitgeben?
Ich möchte, offen gesagt, niemandem etwas Bestimmtes fürs Leben mitgeben. Allerdings hoffe ich, dass ich den Trainingsteilnehmern dabei helfen kann, durch Wing Chun das zu finden, was sie persönlich für sich gerne fürs Leben mitnehmen wollen. Das kann aber durchaus für jeden Teilnehmer etwas Anderes sein. Der eine möchte vielleicht primär lernen sich besser zu verteidigen, der andere sucht vielleicht eher einen Ausgleich zu seinen sonstigen Aktivitäten.
Besonders die Partnerübungen im Wing Chun, beispielsweise das Chi Sao (klebende Hände) sind auf ihre Art und Weise einzigartig. Tatsächlich ist Chi Sao fast schon eine Form der nonverbalen Kommunikation. Man hält Kontakt und reagiert nur auf den Druck den der Partner ausübt bzw. veranlasst seinen Partner durch leichten Druck zu Reaktionen. Je fortgeschrittener jemand ist, desto schwächer dürfen die Impulse sein, um wahrgenommen zu werden und eine Reaktion auszulösen. Diese Form der spielerischen und sensiblen Auseinandersetzung mit seinem Gegenüber ist z.B. etwas, das die Art der Wahrnehmung, die man seinen Mitmenschen entgegenbringt, nachhaltig verändert.

Verrätst Du uns noch ein paar ganz persönliche Dinge?
Ich schwimme gerne, ich lese gerne, mein Lieblingsbuch ist „Gefährliche Geliebte“ von Haruki Murakami.
Was ich gerne esse? Spaghetti aglio e olio.

Gibt es eine Person, der Du Bewunderung entgegen bringst?
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist eine der Personen die ich bewundere und zwar dafür, dass sie 1996 als Justizministerin aus persönlicher Überzeugung zurückgetreten ist, da sie den sog. Großen Lauschangriff politisch nicht mittragen wollte.

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